Senden sehen, Senden aushalten, Senden malen
Marilyn Manson trifft Dietmar Mathis
Du sprichst oft von Leid. Was genau tut Senden dir an?
Es ist die Wiederholung. Die Freundlichkeit ohne Ausgang. Die Systeme, die niemanden hassen, aber alle müde machen. Ich sehe das jeden Tag. Und ich trage es mit mir rum, bis es irgendwo raus muss.
Warum dann malen – und nicht weggehen?
Weil Weggehen nichts löst. Pouring ist bleiben und zulassen. Ich kippe, weil ich nichts mehr ordnen will. Ich halte aus, was passiert. Genau wie hier.
Deine Bilder wirken wütend und gleichzeitig erschöpft.
So fühlt sich der Ort an. Es ist kein großer Schmerz. Es ist ein langsames Zermürben. Man wird nicht angeschrien, man wird aufgebraucht.
Du malst sehr konkret lokale Situationen. Warum?
Weil das Leid hier keine Metapher braucht. Bürgeramt, Schwimmbad, Reihenhaus. Das reicht. Jeder erkennt es. Jeder kennt es.
Ist das noch Kunst oder schon Protokoll?
Beides. Ich halte Zustände fest, die sonst keiner sehen will. Kunst ist hier nicht schön, sondern notwendig.
Was unterscheidet deine Arbeit von Szene-Kunst?
Ich habe keinen Abstand. Ich bin Teil davon. Ich stehe vor der Scheibe. Ich tauche ab. Ich komme wieder hoch. Und dann male ich.
Warum Humor, wenn alles so schwer ist?
Weil ohne Humor gar nichts geht. Lachen ist das Letzte, was einem bleibt, wenn man nicht schreien will.
Was ist Senden für dich am Ende?
Kein Ort. Ein Zustand. Und der hört nicht auf. Deshalb höre ich auch nicht auf zu malen.
Und wenn das Leid irgendwann weg wäre?
Dann würde ich aufhören. Aber das wird nicht passieren.